Zigarre richtig anzünden
Der erste Moment einer Zigarre entscheidet über den ganzen Rauchgenuss. Wer den Fuß sorgfältig röstet, eine geschmacksneutrale Flamme wählt und gleichmäßig zündet, legt die Grundlage für einen sauberen Abbrand, klare Aromen und ein ausgewogenes Raucherlebnis bis zum letzten Drittel. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, welche Flammen geeignet sind, wie das „Toasting" des Fußes funktioniert, woran man eine perfekte Glut erkennt und wie sich typische Fehler wie einseitiges Abbrennen von Beginn an vermeiden lassen.
Warum richtiges Anzünden zählt
Das Anzünden ist mehr als ein technischer Vorgang am Anfang. Es ist der Moment, in dem die kalte, nur duftende Zigarre in eine glühende, aromatisch arbeitende Genusszigarre verwandelt wird. Eine Zigarre besteht aus mehreren Tabaklagen: dem Einlagetabak im Inneren (Tripa), dem Umblatt, das die Einlage zusammenhält (Capote), und dem äußeren Deckblatt (Capa), das dem Format sein Aussehen und einen Teil seines Charakters gibt. Damit aus diesem fein abgestimmten Aufbau ein harmonisches Aroma entsteht, müssen alle Tabaklagen am Fuß gleichzeitig und gleichmäßig zu glühen beginnen. Genau das leistet sorgfältiges Anzünden.
Eine gleichmäßige Glut bedeutet ein gleichmäßiges Aroma. Wenn der gesamte Querschnitt des Fußes gleichzeitig glüht, verbrennen Einlage, Umblatt und Deckblatt im selben Tempo. Der Rauch, der durch die Zigarre gezogen wird, trägt dann das vollständige, ausbalancierte Geschmacksbild, das der Hersteller beim Mischen der Tabake (dem Blending) beabsichtigt hat. Glüht dagegen nur ein Teil des Fußes, gerät das Gleichgewicht aus den Fugen: Bestimmte Tabake brennen zu heiß, andere bleiben kalt, und der erste Eindruck wird verfälscht.
Falsches Anzünden ruiniert den Beginn auf zweierlei Weise. Erstens kann eine ungeeignete Flamme Fremdaromen einbringen, die sich über die ersten Züge legen und das feine Spiel von Holz, Erde, Leder, Kaffee oder Zedernnoten überdecken. Zweitens führt ungleichmäßiges Zünden dazu, dass die Zigarre schief abbrennt, sich der Abbrand kaum noch korrigieren lässt und der Glutkegel über die gesamte Rauchdauer unruhig bleibt. Beides ist ärgerlich, weil eine hochwertige kubanische Zigarre wie eine Cohiba Robustos oder eine Partagás Serie D No. 4 ihren Reiz gerade aus der feinen Abstimmung bezieht, die in den ersten Minuten leicht verspielt ist.
Hinzu kommt der thermische Aspekt. Tabak gibt seine Aromen am schönsten frei, wenn er kontrolliert und nicht zu heiß verbrennt. Wer hektisch und mit zu viel direkter Hitze zündet, überhitzt den Fuß, karamellisiert die Tabake zu stark und erzeugt von Anfang an einen schärferen, manchmal bitteren Ton. Geduldiges Anzünden hält die Temperatur niedriger und bewahrt die Süße und Tiefe des Tabaks. Aus diesem Grund gilt unter Kennern: Die zwei Minuten, die ein sauberes Anzünden braucht, sind die am besten investierten Minuten der ganzen Rauchdauer.
Es lohnt sich, kurz zu betrachten, was beim Verbrennen von Tabak überhaupt geschieht. Tabak ist kein gleichförmiges Material, sondern ein Verbund aus unterschiedlichen Blattsorten, die jeweils eigene Verbrennungseigenschaften haben. Der kräftige, voluminöse Ligero aus den oberen Blattlagen der Pflanze brennt eher träge und liefert die Kraft und das Rückgrat des Aromas; der Seco aus den mittleren Lagen bringt Würze und brennt mittelschnell; der dünne, leichte Volado aus den unteren Lagen ist vor allem für gute Brenneigenschaften zuständig und glimmt am willigsten. Beim Anzünden müssen diese unterschiedlich brennfreudigen Tabake gemeinsam auf Temperatur gebracht werden. Ein behutsames, gleichmäßiges Rösten gleicht ihre verschiedenen Trägheiten aus; ein hastiger, punktueller Hitzestoß hingegen entzündet bevorzugt den willigen Volado und lässt den trägen Ligero zurück — der Keim für späteren ungleichmäßigen Abbrand ist damit schon gelegt.
Auch die Restfeuchte spielt eine Rolle. Ein korrekt gelagerter Tabak enthält noch einen gewissen Anteil Feuchtigkeit, die beim Anzünden zunächst verdampfen muss, bevor der Tabak Feuer fängt. Das erklärt, warum eine optimal konditionierte Zigarre etwas mehr Geduld beim Anzünden verlangt als eine ausgetrocknete — und warum die ausgetrocknete, schneller zündende Zigarre dennoch die schlechtere ist: Ihr fehlen die ätherischen Öle, die mit der Feuchte ausgetrieben wurden und die einen großen Teil des Aromas tragen. Wer also beim Anzünden feststellt, dass die Zigarre auffällig schnell und heiß auflodert, sollte dies als Warnzeichen für eine zu trockene Lagerung verstehen; mehr zur richtigen Konditionierung findet sich unter Lagerung.
Der Ablauf im Überblick
Bevor die einzelnen Flammen und Techniken im Detail betrachtet werden, hilft ein Blick auf den grundsätzlichen Ablauf. Das Anzünden folgt einer logischen Reihenfolge, die sich über Jahrzehnte als zuverlässig erwiesen hat: Zunächst wird der Fuß geröstet, ohne zu ziehen; dann wird mit einem Trockenzug der Luftwiderstand geprüft; anschließend wird unter leichtem Ziehen gezündet und die Zigarre gedreht; zuletzt wird der Glutring kontrolliert. Wer diese vier Stufen verinnerlicht, zündet jede Vitola sauber an, vom schlanken Panatela bis zum dicken Doble Robusto.
Jeder dieser Schritte hat seinen eigenen Sinn, der weiter unten ausführlich erklärt wird. Wichtig ist das Verständnis, dass es sich nicht um lästige Pflichtübungen handelt, sondern um eine zusammenhängende Choreografie, die jeden einzelnen Aspekt des Genusses absichert. Das Rösten bringt den Fuß auf Temperatur, ohne ihn zu verkohlen; der Trockenzug verrät, ob der Luftzug stimmt; das drehende Zünden verteilt die Glut gleichmäßig; und die Kontrolle des Glutrings gibt die Sicherheit, sauber begonnen zu haben.
Geeignete Flammen
Die Wahl der Flamme ist die wichtigste Entscheidung beim Anzünden, denn sie bestimmt, ob Fremdaromen ins Spiel kommen. Grundsätzlich gilt: Je geschmacksneutraler die Zündquelle, desto besser. Eine kubanische Zigarre ist ein Naturprodukt, dessen Aromen empfindlich auf Beimischungen reagieren. Die folgenden Methoden gelten als geeignet, jede mit eigenen Vor- und Nachteilen. Die folgende Grafik ordnet die gebräuchlichen Zündquellen nach ihrer Geschmacksneutralität ein.
Die folgende Übersicht stellt die geeigneten Methoden samt ihrer Stärken und Schwächen gegenüber. Sie hilft, je nach Anlass, Ort und gewünschtem Reinheitsgrad die passende Wahl zu treffen.
| Methode | Geschmacksneutralität | Windstabilität | Tempo | Beste Eignung |
|---|---|---|---|---|
| Zedernholzspan | sehr hoch, sogar aromatisch passend | gering | langsam, zeremoniell | festlicher Genuss im Innenraum |
| Gas, Soft Flame | hoch (geruchsneutrales Butan) | mittel | mittel | ruhige Anlässe, feine milde Formate |
| Gas, Jet/Turbo | hoch (geruchsneutrales Butan) | sehr hoch | schnell | draußen, Wind, Höhenlagen |
| Streichholz (Kopf abgebrannt) | hoch, sauberes Holz | gering | langsam | traditioneller Genuss im Innenraum |
Zedernholzspan (Cedar Spill) — der „Königsweg"
Der dünne Span aus spanischer Zeder (Cedrela odorata) gilt vielen Kennern als die eleganteste und geschmacklich reinste Methode, eine Zigarre zu entzünden. Zeder ist genau das Holz, aus dem hochwertige Humidore und die Trennbretter in den Zigarrenkisten gefertigt werden; es ist also ein Material, dessen Duft sich ohnehin in jeder gut gelagerten Zigarre wiederfindet. Wer mit einem Zedernspan zündet, fügt daher keinen Fremdton hinzu, sondern unterstreicht im Gegenteil die zedrige Grundnote, die viele kubanische Zigarren auszeichnet.
In der Praxis entzündet man den Span zunächst an einer beliebigen Flamme — etwa einem Feuerzeug oder einer Kerze — und wartet, bis er selbst ruhig und gleichmäßig brennt. Erst diese saubere Holzflamme wird an den Fuß der Zigarre geführt. So gelangt kein Brennstoffaroma an den Tabak, sondern ausschließlich die warme, neutrale Flamme des brennenden Holzes. Viele Liebhaber schneiden sich solche Späne aus dem dünnen Zedernbrett, das manchen Kisten beiliegt.
Vorteil: höchste Geschmacksneutralität, geradezu aromatisch passend, eine ruhige und breite Flamme, die den Fuß sanft umfasst, und eine angenehm zeremonielle Note. Nachteil: umständlicher als ein Feuerzeug, der Span brennt rasch herunter und muss bei größeren Formaten eventuell nachgesetzt werden, und man braucht eine zweite Flamme, um den Span überhaupt zu entzünden. Im Freien bei Wind ist der Span schwer zu bändigen.
Gasfeuerzeug: Soft Flame gegen Jet/Turbo
Das Gasfeuerzeug ist in der Praxis die mit Abstand häufigste Zündquelle, und zwar zu Recht: Hochwertiges, gereinigtes Butangas verbrennt nahezu rückstandsfrei und gibt — anders als Benzin — keine spürbaren Fremdaromen ab. Entscheidend ist, dass das Gas geruchsneutral ist; einfache, schlecht raffinierte Gase können dennoch einen leichten Ton hinterlassen, weshalb sich gut gereinigtes Premium-Butan empfiehlt. Beim Gasfeuerzeug unterscheidet man zwei Bauarten, die sich grundlegend im Verhalten unterscheiden.
Die Soft Flame ist die klassische, weiche gelbe Flamme, wie man sie von einfachen Feuerzeugen kennt. Sie brennt vergleichsweise kühl, ist breit und sanft und eignet sich hervorragend, um den Fuß behutsam und ohne Überhitzung zu rösten. Ihr Nachteil: Sie ist windempfindlich und braucht etwas mehr Zeit. Für das geduldige, schonende Anzünden im Innenraum ist sie ideal.
Die Jet- oder Turbo-Flamme (auch Düsen- oder Stichflamme genannt) presst das Gas durch eine Düse und erzeugt eine konzentrierte, blau brennende, sehr heiße Flamme, oft auch als Mehrfachstrahl. Sie ist windstabil und zündet schnell, was sie für den Außeneinsatz beliebt macht. Ihr Risiko liegt jedoch in der hohen Temperatur: Wer unaufmerksam ist, verbrennt den Tabak punktuell, überhitzt den Fuß und erzeugt schon zu Beginn scharfe, fast verkohlte Töne. Mit einer Jetflamme muss man bewusst auf Abstand und kurze Hitzestöße achten.
Höhenlagen: Ein praktischer Hinweis für alle, die in den Bergen rauchen — etwa auf einer Hütte oder einer Bergterrasse. In großer Höhe ist der Luftdruck und damit der Sauerstoffgehalt geringer, weshalb eine weiche Soft Flame mitunter schwächelt oder gar nicht zünden will. Jet-Feuerzeuge mit Druckluftvermischung kommen mit dünner Höhenluft deutlich besser zurecht und sind dort oft die zuverlässigere Wahl. Wer regelmäßig im Gebirge genießt, ist mit einer Düsenflamme tendenziell besser bedient, sollte dann aber umso sorgfältiger auf Abstand achten.
Streichholz (Schwefelkopf abbrennen lassen)
Das Streichholz ist eine traditionsreiche und durchaus empfehlenswerte Methode, sofern eine Bedingung beachtet wird: Der Schwefel- beziehungsweise Phosphorkopf des Zündholzes muss vollständig abgebrannt sein, bevor die Flamme an den Tabak kommt. Im Moment des Anreißens entzündet sich nämlich die chemische Zündmasse, die einen deutlich wahrnehmbaren, leicht stechenden Geruch abgibt. Würde man die Zigarre in dieser frühen Phase an die Flamme halten, fingen sich die ersten Züge diesen unangenehmen Schwefelton ein.
Die richtige Technik besteht also darin, das Streichholz anzureißen und einige Sekunden ruhig brennen zu lassen, bis der Kopf durchgebrannt ist und nur noch das saubere Holz mit ruhiger Flamme brennt. Erst dann führt man es an den Fuß. Lange Kaminstreichhölzer sind hier praktisch, weil sie länger brennen und genug Zeit lassen, größere Formate sauber anzuzünden, ohne sich die Finger zu verbrennen. Im Grunde ähnelt diese Methode dem Zedernspan, nur mit etwas weniger Brenndauer.
Vorteil: nach dem Abbrennen des Kopfes geschmacklich sehr sauber, weil reines Holz brennt; günstig, weit verbreitet und ohne Brennstoffaroma. Nachteil: kurze Brenndauer pro Holz, sehr windempfindlich, und bei Ungeduld droht der Schwefelton. Für dicke Formate braucht man unter Umständen mehrere Hölzer hintereinander.
Was man NICHT verwenden sollte
Genauso wichtig wie die Wahl der richtigen Flamme ist das Wissen, welche Zündquellen man meidet, weil sie zuverlässig Fehlaromen einbringen. Die häufigsten Fehler:
- Benzinfeuerzeug: Das klassische Sturmfeuerzeug mit flüssigem Brennstoff (Naphtha) gibt einen intensiven, öligen Brennstoffgeruch ab, der sich unweigerlich auf die ersten Züge legt. Selbst nach dem Verfliegen des Geruchs bleibt ein chemischer Beiton, der die feinen Tabakaromen überdeckt. Für Zigarren ist das Benzinfeuerzeug die schlechteste der hier genannten Optionen.
- Kerze: Wachskerzen — besonders parfümierte oder gefärbte — rußen, geben Wachs- und Duftstoffe ab und brennen mit unruhiger Flamme. Das Wachsaroma und der Ruß setzen sich am Fuß fest. Eine Kerze taugt allenfalls dazu, einen Zedernspan zu entzünden, niemals jedoch, um die Zigarre direkt anzuzünden.
- Gasherd / Küchenherd: Die offene Gasflamme eines Herdes wirkt praktisch, ist es aber nicht. Sie ist groß, schwer zu dosieren und führt fast zwangsläufig zu einer überhitzten, ungleichmäßigen Glut. Außerdem haftet ihr je nach Gasqualität ein Beiton an. Auch die Hitze ist schwer zu kontrollieren, sodass das Deckblatt leicht aufplatzt.
Alle drei Methoden eint, dass sie den Beginn der Zigarre mit Fremdaromen oder unkontrollierter Hitze belasten. Wer solche und ähnliche Anfängerfehler systematisch vermeiden möchte, findet unter Fehler eine ausführliche Übersicht der typischen Stolperfallen rund um Auswahl, Pflege und Genuss.
Vorbereitung: anschneiden und Cold Draw prüfen
Bevor überhaupt eine Flamme ins Spiel kommt, muss die Zigarre vorbereitet sein. Zwei Schritte gehören dazu: das Anschneiden des Kopfes und der prüfende Trockenzug, der sogenannte Cold Draw.
Zuerst anschneiden
Eine Zigarre wird stets vor dem Anzünden geöffnet, niemals danach. Der Kopf — also das verschlossene Ende, das in den Mund kommt — wird mit einem geraden Schnitt (Guillotine), einem Bohrer (Punch) oder einem V-Schnitt geöffnet, je nach Vorliebe und Format. Der Schnitt muss sauber sein und die Kappe gerade so weit öffnen, dass ein freier Zug entsteht, ohne das Deckblatt zum Einreißen zu bringen. Wie tief man schneidet, welches Werkzeug sich für welche Vitola eignet und wie man ein Aufplatzen des Deckblatts vermeidet, ist ein eigenes Thema, das unter Anschneiden ausführlich behandelt wird.
Der Grund für diese Reihenfolge ist einleuchtend: Erst der Anschnitt schafft den offenen Luftkanal, durch den später beim Zünden gezogen wird. Eine ungeöffnete Zigarre lässt sich zwar am Fuß rösten, aber nicht sinnvoll mit dem unterstützenden Zug entzünden, der die Glut gleichmäßig anfacht.
Den Cold Draw nehmen
Der Cold Draw, auch Trockenzug genannt, ist ein Zug an der noch unangezündeten, aber bereits angeschnittenen Zigarre. Er erfüllt zwei Zwecke. Erstens prüft er den Luftwiderstand: Lässt sich die Zigarre leicht und frei ziehen, ist das Anschnittmaß richtig und der Rauchgenuss wird mühelos. Zieht sie sich dagegen schwer und fest, ist der Schnitt womöglich zu knapp ausgefallen oder die Zigarre zu fest gerollt — dann hilft ein etwas tieferer Nachschnitt. Sitzt der Zug umgekehrt zu locker, wurde unter Umständen zu viel von der Kappe entfernt.
Zweitens gibt der kalte Zug einen ersten Vorgeschmack auf das Aromenspiel des unverbrannten Tabaks. Man nimmt oft schon Noten von Heu, Trockenfrüchten, Zedernholz, Kakao oder Erde wahr, die später in der Glut wiederkehren. Dieser sensorische Vorgeschmack ist für Kenner ein kleines Ritual und ein guter Indikator für die Frische und Lagerung der Zigarre. Eine optimal gelagerte Zigarre (siehe Lagerung) zieht weich und gibt einen vollen, leicht süßlichen Trockenzug; eine zu trockene Zigarre wirkt am kalten Zug staubig und spröde.
Schritt für Schritt: vom Rösten bis zur stehenden Glut
Mit vorbereiteter Zigarre und passender Flamme folgt nun der eigentliche Zündvorgang. Er gliedert sich in mehrere ineinandergreifende Handgriffe, die ohne Hast ausgeführt werden. Die gesamte Prozedur dauert je nach Format zwischen einer und zwei Minuten — bei einer schmalen Vitola weniger, bei einem dicken Format wie einer Hoyo de Monterrey Epicure No. 2 entsprechend länger.
- Den Fuß rösten (Toasting). Die Flamme wird mit etwas Abstand unter den Fuß gehalten, ohne ihn direkt zu berühren. Die Zigarre wird dabei langsam um ihre eigene Achse gedreht, sodass die Wärme den gesamten Rand des Fußes gleichmäßig erfasst. Es wird in dieser Phase noch nicht gezogen. Ziel ist, den äußeren Rand des Fußes rundherum gleichmäßig anzukohlen, bis er durchgehend dunkel wird.
- Flamme auf Abstand halten. Wichtig ist, dass die Flammenspitze den Tabak nicht direkt berührt. Man nutzt die heiße Luft knapp oberhalb der sichtbaren Flamme. So röstet der Tabak, ohne dass das Deckblatt punktuell verkohlt oder verbrennt. Besonders bei der heißen Jetflamme ist dieser Abstand entscheidend.
- Drehen. Das stetige Drehen der Zigarre — oder alternativ das Kreisen der Flamme um den Fuß — sorgt dafür, dass alle Tabaklagen gleichmäßig auf Temperatur kommen. Eine ruhige, kontinuierliche Drehbewegung verhindert, dass eine Seite vorauseilt und die andere kalt bleibt. Genau hier wird der spätere gleichmäßige Abbrand vorbereitet.
- Erster Zug mit Flamme. Ist der Rand rundum geröstet, wird die Zigarre in den Mund genommen und die Flamme weiterhin knapp vor den Fuß gehalten. Nun zieht man sanft und gleichmäßig, während die Zigarre weiter gedreht wird. Der Sog zieht die Flamme an den Tabak heran und entfacht die Glut über den gesamten Querschnitt. Ein paar ruhige Züge genügen; hektisches Paffen überhitzt nur.
- Glut kontrollieren (Glutring rundherum). Anschließend nimmt man die Zigarre aus dem Mund und betrachtet den Fuß. Ein durchgehend orange glühender Ring entlang des gesamten Außenrands zeigt, dass sauber gezündet wurde. Bleibt ein Teil dunkel, hält man die Flamme gezielt an diese Stelle und gleicht nach, bevor man weiterraucht. Manche Kenner pusten den Fuß sanft an, um die Glut sichtbar zu machen und schwache Stellen zu erkennen.
Wer diese Reihenfolge einhält, erhält von der ersten Sekunde an einen stabilen, mittig sitzenden Glutkegel. Dieser bildet die Grundlage dafür, dass die Zigarre über ihre gesamte Länge ruhig und gerade abbrennt — ein Aspekt, der eng mit der richtigen Rauchtechnik zusammenhängt, die unter Rauchen beschrieben wird.
Ein häufiger Anfängerfehler in dieser Phase ist das zu hastige Paffen. In dem Bemühen, die Glut zügig zum Stehen zu bringen, zieht mancher in schneller Folge kräftig an der Zigarre. Das Gegenteil ist richtig: Wenige, ruhige und gleichmäßig lange Züge entfachen die Glut schonender und gleichmäßiger als viele hektische. Zwischen den ersten Zügen darf ruhig eine kurze Pause liegen, damit sich die Glut setzen kann. Wer zu schnell zieht, treibt die Temperatur am Fuß unnötig hoch und nimmt die ersten Aromen heiß und scharf wahr, statt in ihrer eigentlichen, kühleren Tiefe.
Der erste Zug und die ersten Minuten
Ist die Glut gleichmäßig entfacht und der Glutring kontrolliert, folgt der eigentliche erste Zug zum Genuss. Diesem Moment kommt eine besondere Bedeutung zu, denn er gibt den Auftakt für das gesamte Geschmacksbild. Man nimmt den ersten Zug bewusst, lässt den Rauch im Mund kreisen und schmeckt ihn, ohne ihn zu inhalieren — Zigarrenrauch wird grundsätzlich nicht in die Lunge gezogen, sondern im Mund und auf der Zunge geschmeckt und über den Gaumen wahrgenommen. So entfaltet sich das volle Aroma, ohne dass die Schärfe des Rauchs stört.
In den ersten Minuten verändert sich der Geschmack einer Zigarre oft noch. Direkt nach dem Anzünden kann der Rauch eine leichte Spitze tragen, die manche als „Anzündschärfe" bezeichnen — Restwärme und der frische Übergang vom Rösten zum Glimmen. Diese legt sich nach einigen Zügen, sobald sich die Glut stabilisiert und der Glutkegel seine ideale, mittig sitzende Form gefunden hat. Wer also den allerersten Eindruck einer Zigarre beurteilt, sollte ihr ein paar Züge Zeit geben, ehe er über ihren Charakter urteilt. Dieser Einschwingvorgang ist normal und bei sorgfältigem Anzünden nur kurz; bei hastigem, überhitztem Anzünden dagegen zieht er sich hin und kann das gesamte erste Drittel belasten.
Ein weiterer Punkt betrifft die Asche. Eine sauber angezündete und gleichmäßig brennende Zigarre bildet eine feste, kompakte Asche, die ein Stück weit hält, bevor sie abgestreift werden muss. Eine helle, feste Asche gilt als Zeichen guter Tabakqualität und gleichmäßiger Verbrennung. Bröckelige, dunkle Asche, die früh abfällt, deutet dagegen oft auf zu heißes Rauchen oder ungleichmäßigen Abbrand hin — beides häufig eine Spätfolge unsorgfältigen Anzündens. Insofern ist die Asche ein guter Indikator dafür, ob der Beginn gelungen ist.
„Toasting" im Detail
Der Begriff „Toasting" verdient eine genauere Betrachtung, weil er den vielleicht am häufigsten unterschätzten Schritt beschreibt. Wörtlich übersetzt bedeutet er „rösten", und genau das geschieht: Der Fuß wird zunächst nur erwärmt und angekohlt, bevor überhaupt gezogen wird. Warum dieser Umweg, statt einfach sofort die Zigarre in den Mund zu nehmen und durch Ziehen zu entzünden?
Der erste Grund ist die gleichmäßige Hitzeverteilung. Wenn man sofort zieht, ohne vorzurösten, saugt der Luftstrom die Flamme bevorzugt zu jenem Punkt, an dem der geringste Widerstand herrscht. Dort entsteht eine punktuelle, tiefe Glut, während der übrige Fuß noch kalt ist. Das ist die Hauptursache für einseitiges Anzünden. Durch das vorherige Rösten ist hingegen der gesamte Rand bereits warm und vorgekohlt, sodass beim ersten Zug die Glut gleichmäßig über den ganzen Querschnitt aufflammt.
Der zweite Grund ist die Temperatur. Beim reinen Rösten ohne Zug bleibt die Hitze moderat, weil kein Sauerstoff durch den Luftkanal nachgefacht wird. Der Tabak wird sanft auf Zündtemperatur gebracht, ohne ihn zu überhitzen. Würde man von Anfang an kräftig ziehen, schösse die Temperatur am Fuß in die Höhe, und die ersten Aromen kämen heiß, scharf und verbrannt herüber. Das geduldige Vorrösten schützt also die Aromatik des ersten Drittels.
Der dritte Grund ist sensorischer und fast zeremonieller Natur. Beim Rösten steigt bereits der erste Duft des erhitzten Tabaks auf, lange bevor der erste Zug genommen wird. Dieser Augenblick gehört für viele Kenner untrennbar zum Ritual und stimmt auf den kommenden Genuss ein. Das Toasting ist damit nicht nur Technik, sondern Teil der Muße, die eine gute Zigarre erst zum Erlebnis macht.
In der Praxis erkennt man ein gelungenes Toasting daran, dass der Rand des Fußes rundherum gleichmäßig geschwärzt ist und leicht zu glimmen beginnt, noch bevor der erste Zug genommen wird. Erst wenn dieser Zustand erreicht ist, geht man zum zündenden Zug über. Bei sehr dicken Formaten lohnt es sich, das Rösten geduldig auszudehnen, weil der Querschnitt entsprechend größer ist und mehr Tabak gleichmäßig erwärmt werden will.
Anzünden je nach Format
Die Grundtechnik bleibt für jede Zigarre gleich, doch die Ringmaße — also der Durchmesser, gemessen in 64stel Zoll — verändern die Anforderungen spürbar. Ein schlankes Format mit kleinem Ringmaß hat einen geringen Querschnitt und ist rasch und mühelos entzündet; ein dickes Format mit großem Ringmaß verlangt deutlich mehr Geduld beim Rösten. Wer den Unterschied versteht, passt seine Technik an und vermeidet die häufigsten formatbedingten Fehler. Eine ausführliche Formatkunde mit allen gängigen Vitolas findet sich unter Vitolas.
Schlanke Formate wie Panatela, Laguito No. 1 oder eine schmale Lonsdale haben einen kleinen Fußquerschnitt. Hier genügt ein kurzes, sorgfältiges Rösten, und die Gefahr liegt eher im Überhitzen als im unvollständigen Zünden. Mit einer heißen Jetflamme ist bei dünnen Formaten besondere Vorsicht geboten, weil die konzentrierte Hitze den kleinen Fuß schnell verkohlt. Eine weiche Soft Flame oder ein Zedernspan sind hier oft die schonendere Wahl.
Mittlere Formate wie die Robusto — etwa eine Cohiba Robustos oder eine Bolívar Royal Corona — und die klassische Corona sind in puncto Anzünden am gutmütigsten. Ihr Querschnitt ist groß genug, um einen stabilen Glutring zu tragen, aber nicht so groß, dass das Rösten besondere Geduld verlangte. Für Einsteiger sind diese Formate auch deshalb empfehlenswert; mehr zur passenden Erstauswahl unter Auswahl.
Dicke Formate wie der Doble Robusto, das große Ringmaß einer Hoyo de Monterrey Epicure No. 2 oder ein Gordo verlangen das längste und geduldigste Toasting. Ihr breiter Querschnitt enthält viel Tabak, der gleichmäßig auf Temperatur kommen muss, sonst droht von Beginn an ein unrunder Glutring. Hier zahlt es sich aus, die Zigarre besonders langsam zu drehen und das Rösten ruhig auszudehnen, bevor der erste Zug genommen wird. Auch das spätere Wiederanzünden nach Pausen gelingt bei dicken Formaten am besten mit erneutem, gründlichem Rösten.
Formate mit offenem oder besonderem Fuß verdienen eine eigene Anmerkung. Manche Figurados — etwa eine Pyramide oder ein Torpedo wie die Montecristo No. 2 — laufen am Fuß spitz oder konisch zu. Bei einem spitzen Fuß ist der zündende Querschnitt zunächst klein und wächst beim Abbrand. Hier genügt ein behutsames Anrösten der Spitze; die Glut weitet sich anschließend von selbst auf den vollen Durchmesser. Ein offener, ungedeckter Fuß zündet besonders leicht und sollte mit entsprechend wenig Hitze behandelt werden.
Umgebung: Wind, Zugluft und Temperatur
Das Anzünden findet selten unter Laborbedingungen statt. Wind, Zugluft und Umgebungstemperatur beeinflussen sowohl den Zündvorgang als auch den späteren Abbrand erheblich, und wer diese Einflüsse kennt, kann sie ausgleichen.
Im Freien bei Wind ist die weiche Soft Flame und erst recht der Zedernspan schwer zu bändigen, weil die Flamme flackert und seitlich weggedrückt wird. Hier spielt die windstabile Jet- oder Turbo-Flamme ihre Stärke aus. Man sollte den Fuß mit der freien Hand oder dem Körper gegen den Wind abschirmen und in kurzen, gezielten Hitzestößen arbeiten. Wichtig ist, dass auch der spätere Genuss im Wind anders verläuft: Eine Brise facht die dem Wind zugewandte Seite stärker an und begünstigt damit einseitiges Brennen. Es lohnt sich, die Zigarre im Freien gelegentlich zu drehen und die windabgewandte Seite bei Bedarf nachzufeuern.
Zugluft im Innenraum — etwa von einer Klimaanlage, einem geöffneten Fenster oder einem Ventilator — wirkt subtiler, aber in dieselbe Richtung. Ein ständiger Luftstrom aus einer Richtung lässt die Zigarre auf der angeströmten Seite schneller abbrennen. Wer kann, setzt sich beim Genuss so, dass keine gerichtete Zugluft den Fuß trifft. Das beugt nicht nur Canoeing vor, sondern hält auch das Aroma gleichmäßiger.
Die Umgebungstemperatur schließlich beeinflusst, wie schnell der Tabak Feuer fängt. In kalter Umgebung — etwa auf einer winterlichen Terrasse — ist sowohl die Zigarre als auch die Flamme kühler, und das Rösten dauert spürbar länger. Eine Zigarre, die direkt aus einem kühlen Humidor kommt, profitiert davon, einige Minuten Raumtemperatur anzunehmen, bevor sie angezündet wird; der etwas erwärmte Tabak zündet williger und gleichmäßiger. Umgekehrt sollte man eine Zigarre niemals künstlich aufheizen, etwa an einer Heizung, weil das die Feuchteverteilung im Inneren stört.
Häufige Probleme und ihre Lösungen
Selbst mit guter Technik kommt es gelegentlich zu Abbrandstörungen. Die meisten lassen sich vermeiden oder im Verlauf korrigieren, wenn man ihre Ursachen kennt. Die folgende Tabelle fasst die drei häufigsten Probleme zusammen, anschließend werden sie einzeln erläutert.
| Problem | Erscheinung | Ursache | Korrektur |
|---|---|---|---|
| Einseitiges Brennen (Canoeing) | Glut läuft auf einer Seite voraus, Form wie ein Kanu | Ungleichmäßig gezündet, einseitig zu kräftig gezogen, Zugluft | Schwache Seite gezielt nachfeuern, gleichmäßiger ziehen, Zigarre drehen |
| Tunneling | Einlage brennt nach innen voraus, Deckblatt bleibt zurück | Zu fester Zug, zu trockener Tabak, mittiges Überhitzen | Außenrand nachfeuern, ruhiger ziehen, Lagerfeuchte prüfen |
| Ungleichmäßiger Glutring | Glut nicht durchgehend rund, dunkle Stellen am Fuß | Unvollständig geröstet, zu kurz gezündet | Dunkle Stellen mit der Flamme angleichen, neu rösten |
Einseitiges Brennen (Canoeing)
Beim Canoeing brennt eine Seite der Zigarre schneller ab als die andere, sodass der Fuß im Profil an die Form eines Kanus erinnert. Die häufigste Ursache liegt im Anzünden selbst: Wurde nur ein Teil des Fußes entzündet, läuft die Glut dort voraus und holt den Rückstand kaum mehr auf. Weitere Ursachen sind einseitig zu kräftiges Ziehen, eine ungünstige Lagerung mit ungleichmäßiger Feuchteverteilung im Tabak oder schlicht Zugluft, die eine Seite stärker anfacht. Zur Korrektur hält man die Flamme gezielt an die zurückgebliebene, kühlere Seite und feuert sie nach, bis die Glut wieder gleichmäßig verläuft. Außerdem hilft es, die Zigarre zwischendurch zu drehen und bewusster auf einen gleichmäßigen Zug zu achten. Ein sauberes Toasting von Anfang an ist die beste Vorbeugung.
Tunneling
Beim Tunneling brennt die Einlage im Inneren schneller ab als das umgebende Deck- und Umblatt, sodass ein regelrechter Tunnel im Fuß entsteht. Das geschieht typischerweise, wenn der Zug zu fest ist und der Luftstrom sich nur durch die Mitte zieht, oder wenn der Tabak zu trocken gelagert wurde und die äußeren Lagen träger glimmen als die Einlage. Auch zu heißes, mittiges Anzünden mit einer Düsenflamme begünstigt das Problem. Korrigieren lässt es sich, indem man den zurückgebliebenen Außenrand vorsichtig nachfeuert, deutlich ruhiger zieht und der Glut Zeit gibt, sich anzugleichen. Vorbeugend wirken eine korrekte Lagerfeuchte und ein moderater, geduldiger Zug; mehr zur richtigen Feuchte unter Lagerung.
Ungleichmäßiger Glutring
Ein unrunder Glutring zeigt sich direkt nach dem Zünden: Statt eines durchgehend orangefarbenen Rings bleiben einzelne Stellen am Fußrand dunkel und kalt. Die Ursache ist fast immer ein unvollständiges Rösten oder ein zu kurzer Zündvorgang, bei dem nicht der gesamte Querschnitt erfasst wurde. Die Korrektur ist denkbar einfach und sollte sofort erfolgen, bevor weitergeraucht wird: Man hält die Flamme gezielt an die dunklen Stellen und röstet sie nach, bis der Ring rundherum gleichmäßig glüht. Wer diesen Schritt gleich zu Beginn ernst nimmt, erspart sich die meisten späteren Abbrandprobleme, denn ein sauber stehender Glutring zu Beginn ist die halbe Miete für die gesamte Rauchdauer.
Eine ausgegangene Zigarre wiederanzünden
Es gehört zum normalen Genuss, dass eine Zigarre zwischendurch ausgeht — besonders, wenn man sie bewusst langsam und mit Pausen raucht. Das ist kein Mangel, sondern oft Folge eines wohltuend gemächlichen Tempos. Eine kubanische Zigarre lässt sich problemlos wiederanzünden, solange einige Regeln beachtet werden, damit der Geschmack sauber bleibt.
Der erste Schritt ist das Entfernen der alten Asche und der erkalteten Glut. Man streift die Asche vollständig ab und entfernt vorsichtig die abgestorbene, schwarze Glutschicht am Fuß, indem man sie sanft am Aschenbecher abklopft oder abreibt. Diese Schicht enthält teerige Rückstände, die beim erneuten Anzünden einen bitteren, muffigen Ton abgeben würden. Erst der freigelegte, frische Tabakquerschnitt darf neu gezündet werden.
Anschließend verfährt man im Prinzip wie beim ersten Anzünden: Der Fuß wird erneut geröstet, also mit etwas Abstand zur Flamme rundherum erwärmt, bevor unter sanftem Ziehen die Glut neu entfacht wird. Wichtig ist, auch hier nicht zu hastig vorzugehen, weil der Tabak nach der Pause empfindlicher auf Überhitzung reagiert. Ein behutsames Neurösten verhindert, dass der Übergang scharf oder bitter schmeckt.
Ein praktischer Hinweis: Wird eine Zigarre für längere Zeit als nur wenige Minuten unterbrochen, lässt sich der bittere Beigeschmack beim Wiederanzünden weiter abmildern, indem man zunächst ein- bis zweimal durch die Zigarre ausbläst statt einzuziehen. Das treibt abgestandene Rauchgase aus dem Inneren, bevor die ersten frischen Züge genommen werden. Insgesamt gilt: Eine Zigarre, die innerhalb derselben Genusssitzung wieder entfacht wird, behält ihren Charakter; eine, die über Stunden kalt herumlag, schmeckt dagegen oft abgestanden und wird besser nicht wiederbelebt. Weitere Hinweise zum ruhigen, pausenreichen Genuss finden sich unter Rauchen.
Der Abstand zwischen Flamme und Fuß
Ein Detail, das den Unterschied zwischen sauberem und fehlerhaftem Anzünden ausmacht, ist der Abstand zwischen Flammenspitze und Tabak. Die verbreitete Vorstellung, man müsse den Fuß direkt in die Flamme halten, ist falsch und führt regelmäßig zu beschädigtem Deckblatt und verbranntem Aroma.
Tatsächlich wird der Tabak nicht von der sichtbaren Flamme selbst entzündet, sondern von der heißen Luft, die knapp oberhalb der Flammenspitze aufsteigt. Diese Zone ist heiß genug, um den Tabak zu rösten und zu entzünden, aber sanft genug, um ihn nicht zu verkohlen. Hält man die Zigarre stattdessen direkt in die Flamme, gerät vor allem das empfindliche Deckblatt unter zu hohe punktuelle Hitze. Es kann aufplatzen, Blasen werfen oder verkohlen — und genau dieses äußere Blatt trägt einen erheblichen Teil des Aromas.
Warum man das Deckblatt nicht direkt verbrennen darf, hat zwei Gründe. Erstens ist die Capa die dünnste und feinste Tabaklage; sie reagiert am empfindlichsten auf Übergröße der Hitze. Brennt sie zu schnell oder ungleichmäßig an, läuft sie hinter oder vor der Einlage her und stört den geraden Abbrand. Zweitens setzt überhitztes Deckblatt sofort bittere, verbrannte Aromen frei, die sich nicht mehr zurücknehmen lassen. Der richtige Abstand — meist ein bis zwei Zentimeter zwischen Flammenspitze und Fuß — schützt das Deckblatt und sorgt zugleich für die schonende, gleichmäßige Hitze, die der Tabak braucht.
Bei der heißen Jet- oder Turbo-Flamme ist dieser Abstand besonders kritisch, weil ihre konzentrierte Stichflamme deutlich aggressiver wirkt als eine weiche Soft Flame oder ein Zedernspan. Hier empfiehlt es sich, die Flamme in kurzen, gezielten Stößen einzusetzen und den Fuß lieber etwas länger aus größerem Abstand zu rösten, als ihn kurz und heiß zu attackieren.
Welche Methode wie verbreitet ist
Welche Zündmethode in der Praxis am häufigsten zum Einsatz kommt, hängt von Gelegenheit, Ort und persönlicher Neigung ab. Das geruchsneutrale Gasfeuerzeug dominiert wegen seiner Bequemlichkeit und Windstabilität, während Zedernspan und Streichholz von Kennern für besondere Momente und für die geschmackliche Reinheit geschätzt werden. Die folgende Grafik gibt eine grobe Einordnung der typischen Verteilung.
Diese Verteilung ist als Orientierung zu verstehen, nicht als gemessene Statistik. Sie spiegelt wider, dass im Alltag die schnelle, zuverlässige Lösung überwiegt, während die geschmacklich reineren Methoden eher das festliche Ritual prägen. Für die Qualität des Genusses ist letztlich weniger entscheidend, welche der geeigneten Methoden man wählt, als vielmehr, wie sorgfältig und geduldig man dabei vorgeht.
Zubehör fürs Anzünden
Das richtige Werkzeug erleichtert das saubere Anzünden erheblich. Drei Gegenstände sind dabei zentral, ergänzt um einige Kleinigkeiten, die den Komfort erhöhen.
Das Feuerzeug ist das Arbeitstier. Ob weiche Soft Flame oder konzentrierte Jetflamme — entscheidend sind eine zuverlässige Zündung, ein ausreichend großer Tank für mehrere Anlässe und die Möglichkeit, es mit gut gereinigtem Premium-Butan zu befüllen. Ein gutes Zigarrenfeuerzeug hält die Flamme ruhig und gleichmäßig, was das Rösten erleichtert.
Der Zedernspan ist das Werkzeug der Wahl für den feierlichen Genuss. Wer dünne Späne aus dem Zedernbrett einer Kiste schneidet oder fertige Späne bereithält, hat stets die geschmacklich reinste Zündquelle zur Hand. Auch lange Kaminstreichhölzer gehören in diese Kategorie und sind eine elegante, traditionelle Alternative.
Hinzu kommen Aschenbecher mit Zigarrenauflage, die ein bequemes Ablegen während des Toastings und der Glutkontrolle ermöglichen, sowie ein passendes Schneidewerkzeug, das untrennbar zur Vorbereitung gehört. Welche Geräte sich für welche Formate und Anlässe eignen, wie man Qualität erkennt und welche Pflege ein Feuerzeug benötigt, ist Gegenstand eines eigenen Überblicks unter Zubehör. Wer noch unschlüssig ist, welche Zigarre überhaupt den Anlass krönen soll, findet Orientierung unter Auswahl und in der Formatkunde unter Vitolas.
Begriffe rund ums Anzünden
Zum Abschluss eine kurze Übersicht der wichtigsten Fachbegriffe, die in diesem Ratgeber verwendet wurden. Eine umfassendere Sammlung findet sich im Glossar.
- Toasting (Rösten)
- Das anfängliche Erwärmen und Ankohlen des Fußes ohne Ziehen, um den gesamten Querschnitt gleichmäßig auf Zündtemperatur zu bringen und Überhitzung zu vermeiden.
- Cold Draw (Trockenzug)
- Ein Zug an der angeschnittenen, aber noch unangezündeten Zigarre. Prüft den Luftwiderstand und gibt einen ersten Eindruck der Aromen des unverbrannten Tabaks.
- Glutring
- Der durchgehend glühende Rand am Fuß unmittelbar nach dem Anzünden. Ein gleichmäßiger Ring zeigt einen sauberen Start und ist Voraussetzung für geraden Abbrand.
- Cedar Spill (Zedernspan)
- Ein dünner Span aus spanischer Zeder, der separat entzündet und dann zum geschmacksneutralen Anzünden der Zigarre verwendet wird.
- Soft Flame
- Die weiche, gelbe Feuerzeugflamme, die kühl und breit brennt und sich zum schonenden Rösten eignet, jedoch windempfindlich ist.
- Jet-/Turbo-Flamme
- Eine durch eine Düse gepresste, sehr heiße, blau brennende und windstabile Flamme. Schnell und höhentauglich, aber bei Unachtsamkeit überhitzungsanfällig.
- Canoeing
- Einseitiges Abbrennen, bei dem die Glut auf einer Seite vorausläuft und der Fuß die Form eines Kanus annimmt. Folge ungleichmäßigen Zündens oder Ziehens.
- Tunneling
- Abbrandfehler, bei dem die Einlage nach innen vorauseilt, während Deck- und Umblatt zurückbleiben — meist Folge eines zu festen Zugs oder zu trockenen Tabaks.
- Capa (Deckblatt)
- Das äußere Tabakblatt der Zigarre. Es ist die feinste Lage und reagiert am empfindlichsten auf zu direkte Hitze, weshalb es beim Anzünden nicht direkt verbrannt werden darf.
Häufige Fragen
- Womit zündet man eine kubanische Zigarre am besten an?
- Am geschmacksneutralsten ist ein Zedernholzspan (Cedar Spill): Da spanische Zeder ohnehin das Holz hochwertiger Humidore ist, fügt sie keinen Fremdton hinzu, sondern unterstreicht die zedrigen Noten der Zigarre. In der Praxis am verbreitetsten ist ein gut gereinigtes, geruchsneutrales Gasfeuerzeug. Auch ein Streichholz eignet sich, sofern man den Schwefelkopf vor dem Anzünden vollständig abbrennen lässt. Entscheidend ist weniger die Methode als die Geduld: schonend rösten statt heiß attackieren.
- Was bedeutet Toasting beim Anzünden einer Zigarre?
- Toasting bezeichnet das anfängliche Rösten des Fußes, bevor man zum ersten Mal zieht. Die Flamme wird mit etwas Abstand unter den langsam gedrehten Fuß gehalten, bis der Rand rundherum gleichmäßig dunkel wird und leicht zu glimmen beginnt. Dieser Schritt verteilt die Hitze gleichmäßig über den gesamten Querschnitt, hält die Temperatur moderat und beugt einseitigem Brennen vor. Erst danach entzündet man die Glut unter sanftem Ziehen vollständig. Das Toasting ist der wichtigste und am häufigsten unterschätzte Schritt.
- Warum sollte man eine Zigarre nicht direkt in die Flamme halten?
- Der Tabak wird nicht von der sichtbaren Flamme entzündet, sondern von der heißen Luft knapp oberhalb der Flammenspitze. Diese Zone ist heiß genug zum Rösten, aber sanft genug, um nichts zu verkohlen. Hält man den Fuß direkt in die Flamme, gerät vor allem das empfindliche Deckblatt (Capa) unter zu hohe punktuelle Hitze, kann aufplatzen oder verkohlen und gibt sofort bittere, verbrannte Aromen ab. Ein Abstand von etwa ein bis zwei Zentimetern schützt das Deckblatt und sorgt für gleichmäßige, schonende Hitze.
- Ist ein Benzinfeuerzeug zum Anzünden von Zigarren geeignet?
- Nein. Klassische Sturm- oder Benzinfeuerzeuge mit flüssigem Brennstoff (Naphtha) geben einen intensiven, öligen Brennstoffgeruch ab, der sich unweigerlich auf die ersten Züge legt und die feinen Tabakaromen überdeckt. Selbst nach dem Verfliegen des Geruchs bleibt ein chemischer Beiton. Auch Kerzen (Wachs, Ruß, Duftstoffe) und der Gasherd (zu große, unkontrollierbare Flamme) sind ungeeignet. Geeignet sind ausschließlich geruchsneutrales Butangas, Zedernspan und das abgebrannte Streichholz. Mehr dazu unter Fehler.
- Was ist der Unterschied zwischen Soft Flame und Jet-Flamme?
- Die Soft Flame ist die weiche, gelbe Flamme. Sie brennt kühl und breit, eignet sich hervorragend zum schonenden Rösten, ist aber windempfindlich und langsamer. Die Jet- oder Turbo-Flamme presst das Gas durch eine Düse und erzeugt eine konzentrierte, blau brennende, sehr heiße und windstabile Stichflamme. Sie zündet schnell und kommt mit dünner Höhenluft besser zurecht, überhitzt den Tabak jedoch leicht. Faustregel: Soft Flame für ruhige Anlässe im Innenraum, Jet-Flamme für draußen und in der Höhe, dort aber stets mit Abstand und in kurzen Stößen.
- Warum muss man den Schwefelkopf eines Streichholzes abbrennen lassen?
- Beim Anreißen entzündet sich die chemische Zündmasse am Kopf des Streichholzes, die einen deutlich wahrnehmbaren, stechenden Geruch abgibt. Würde man die Zigarre in dieser frühen Phase an die Flamme halten, fingen sich die ersten Züge diesen Schwefelton ein. Daher lässt man das Holz einige Sekunden ruhig brennen, bis der Kopf durchgebrannt ist und nur noch sauberes Holz mit ruhiger Flamme brennt. Erst dann führt man es an den Fuß. Lange Kaminstreichhölzer sind praktisch, weil sie länger brennen.
- Was ist ein Cold Draw und warum ist er wichtig?
- Der Cold Draw oder Trockenzug ist ein Zug an der angeschnittenen, aber noch unangezündeten Zigarre. Er prüft den Luftwiderstand: Zieht die Zigarre frei, stimmt das Anschnittmaß; zieht sie schwer, hilft ein etwas tieferer Nachschnitt. Außerdem gibt er einen ersten Eindruck der Aromen des unverbrannten Tabaks, oft Noten von Heu, Zedernholz, Kakao oder Trockenfrüchten. Man nimmt ihn am besten nach dem ersten Anrösten, aber vor der vollständigen Glut, damit ein zu fester Zug noch korrigiert werden kann, bevor Tabak verbrannt ist.
- Was ist Canoeing und wie korrigiert man es?
- Beim Canoeing brennt eine Seite der Zigarre schneller ab als die andere, sodass der Fuß im Profil an die Form eines Kanus erinnert. Häufigste Ursache ist ungleichmäßiges Zünden, bei dem nur ein Teil des Fußes entfacht wurde, außerdem einseitig zu kräftiges Ziehen oder Zugluft. Zur Korrektur hält man die Flamme gezielt an die zurückgebliebene, kühlere Seite und feuert sie nach, bis die Glut wieder gleichmäßig verläuft. Vorbeugend wirken ein sorgfältiges Toasting von Anfang an, gleichmäßiges Ziehen und gelegentliches Drehen der Zigarre.
- Was bedeutet Tunneling und wodurch entsteht es?
- Beim Tunneling brennt die Einlage im Inneren schneller ab als das umgebende Deck- und Umblatt, sodass ein Tunnel im Fuß entsteht. Typische Ursachen sind ein zu fester Zug, durch den sich der Luftstrom nur durch die Mitte zieht, zu trocken gelagerter Tabak oder zu heißes, mittiges Anzünden mit einer Düsenflamme. Korrigieren lässt es sich, indem man den zurückgebliebenen Außenrand vorsichtig nachfeuert und deutlich ruhiger zieht. Vorbeugend wirken eine korrekte Lagerfeuchte und ein moderater Zug; mehr dazu unter Lagerung.
- Kann man eine ausgegangene Zigarre wiederanzünden?
- Ja, das ist völlig normal und kein Mangel. Zunächst streift man die Asche vollständig ab und entfernt vorsichtig die abgestorbene, schwarze Glutschicht am Fuß, weil diese teerige, bittere Rückstände enthält. Den freigelegten, frischen Querschnitt röstet man dann wie beim ersten Mal behutsam an, bevor man unter sanftem Ziehen neu zündet. Bei längeren Pausen hilft es, ein- bis zweimal durch die Zigarre auszublasen, um abgestandene Rauchgase auszutreiben. Eine über Stunden kalt liegende Zigarre schmeckt allerdings oft abgestanden.
- Warum gilt der Zedernholzspan als die beste Zündmethode?
- Spanische Zeder ist genau das Holz, aus dem hochwertige Humidore und die Trennbretter in Zigarrenkisten gefertigt werden. Ihr Duft findet sich daher ohnehin in jeder gut gelagerten Zigarre wieder. Wer mit einem Zedernspan zündet, fügt keinen Fremdton hinzu, sondern unterstreicht die zedrige Grundnote vieler kubanischer Zigarren. Man entzündet den Span zunächst an einer anderen Flamme und wartet, bis er ruhig brennt; erst diese saubere Holzflamme kommt an den Fuß. So gelangt kein Brennstoffaroma an den Tabak, sondern nur warme, neutrale Hitze.
- Wie lange dauert das richtige Anzünden einer Zigarre?
- Je nach Format zwischen etwa einer und zwei Minuten. Eine schmale Vitola wie ein Panatela ist schneller entfacht, ein dickes Format wie eine Hoyo de Monterrey Epicure No. 2 braucht entsprechend länger, weil der Querschnitt größer ist und mehr Tabak gleichmäßig erwärmt werden will. Diese Zeit ist gut investiert: Ein sorgfältig gerösteter Fuß und ein gleichmäßiger Glutring zu Beginn legen die Grundlage für sauberen Abbrand und ausgewogenes Aroma über die gesamte Rauchdauer. Hektik führt dagegen fast immer zu Abbrandproblemen.
- Muss man die Zigarre vor dem Anzünden anschneiden?
- Ja, immer vor dem Anzünden, niemals danach. Der Kopf wird mit Guillotine, Punch oder V-Schnitt geöffnet, damit ein freier Luftkanal entsteht, durch den beim Zünden gezogen wird. Eine ungeöffnete Zigarre lässt sich zwar am Fuß rösten, aber nicht sinnvoll mit dem unterstützenden Zug entzünden, der die Glut anfacht. Der Schnitt muss sauber sein und gerade so weit öffnen, dass der Zug frei wird, ohne das Deckblatt einzureißen. Details zu Werkzeug und Schnitttiefe finden sich unter Anschneiden.
- Spielt die Höhenlage beim Anzünden eine Rolle?
- Ja. In großer Höhe ist der Luftdruck und damit der Sauerstoffgehalt geringer, weshalb eine weiche Soft Flame mitunter schwächelt oder gar nicht zünden will. Jet-Feuerzeuge mit Druckluftvermischung kommen mit dünner Höhenluft deutlich besser zurecht und sind auf Berghütten oder Terrassen oft die zuverlässigere Wahl. Wer dort die heiße Düsenflamme nutzt, sollte allerdings umso sorgfältiger auf Abstand achten und in kurzen Stößen zünden, um den Tabak nicht zu überhitzen. Im Tal und Innenraum bleibt die Soft Flame die schonendere Option.